Press Release 11 Sep 2012

DEREK SCALLY aus Berlin
The Irish Times

Rund um Killarney ist Liebherr mehr als nur ein Unternehmen. Man verbindet den Namen mit einer vorausschauenden Art Geschäfte zu machen, die viele Generationen vor der Auswanderung bewahrt hat.

Die Irische Geschichte ist voll von ausländischen Firmen, die sich unter lauten Versprechungen ansiedelten und sich leise wieder zurückzogen. Das deutsche Ingenieursunternehmen Liebherr ist eine der ehrenwerten Ausnahmen. Es siedelte sich vor 54 Jahren in Killarney an und hat seitdem eine Menge Haushalte im Königreich versorgt. Erwarten Sie nicht, dass Liebherr sich damit brüstet – oder jederzeit verschwinden könnte.

„Wir halten uns in der Öffentlichkeit zurück und machen unsere Arbeit, ohne uns selbst zu loben – das ist einfach nicht unsere Art in der Familie“, so Isolde Liebherr.

Die 63-jährige ist stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats von Liebherr. Sie und ihr Bruder Willi Liebherr stehen der Firmengruppe Liebherr seit dem Tod ihres Vaters, des Firmengründers Hans Liebherr, im Jahr 1993 vor.

Die Firmengruppe Liebherr ist ein Industriegigant, der alles produziert, von Kranen über Baumaschinen bis hin zu Kühlschränken und sogar Fahrwerksystemen für Flugzeuge. Unterteilt in mehr als 130 autonome Firmen und mit über 35.000 Angestellten in der ganzen Welt verzeichnet das Unternehmen einen jährlichen Umsatz von 8,3 Milliarden Euro.

Rund um Killarney ist Liebherr mehr als nur ein Unternehmen. Man verbindet den Namen mit einer vorausschauenden Art Geschäfte zu machen, die viele Generationen vor der Auswanderung bewahrt hat. Das Engagement des Unternehmens in Irland überdauert Wirtschaftskrisen und politische Auseinandersetzungen und stellt für viele hier die beste Seite der häufig komplizierten deutsch-irischen Beziehungen dar. Das Liebherr-Imperium hat seine Wurzeln im Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.

„Während des Kriegs war mein Vater Mitglied des Pionier-Bataillons. Er musste nicht an die Front, aber er verbrachte viele Jahre in Russland mit der Herrichtung von Straßen und Ähnlichem“, sagte Isolde.

„Selbst zu Kriegszeiten dachte er darüber nach, wie er einen Kran entwickeln könnte, der effektiver und effizienter wäre.“

Mit dem Ende des Kriegs wurden die Anstrengungen für den Wiederaufbau durch drastische Material- und Ausrüstungsknappheit behindert. Insbesondere Krane waren unpraktisch und alles andere als mobil – bis Hans Liebherr seinen Turmdrehkran, der von einer Stelle an die andere bewegt werden konnte, patentieren ließ.

Im Jahr 1949 begann er in der Stadt Kirchdorf im Süden Deutschlands mit der Herstellung seines Krans, und innerhalb von zwei Jahren hatte er 110 Angestellte und erwirtschaftete über 1 Millionen Euro Umsatz.

Bis 1958 war die Produktionskapazität in Deutschland ausgelastet und Liebherr, bestrebt darin, sein Geschäft auf den US-Markt und den Commonwealth-Markt auszudehnen, streckte seine Fühler aus.
Als er von Irland erfuhr, flog er nach Dublin, lieh sich einen VW Käfer und fuhr so lange, bis er in Killarney landete. Als die lokale Delegation Killarneys erfuhr, dass ein Investor sich eine Anlage in Mallow ansah, luden sie ihn zum Abendessen ein und führten ihn zu den Seen.

„Er sah die Seenlandschaft und verliebte sich auf den ersten Blick in die Region“, sagte Isolde über den Besuch, der auch einen Besuch beim Bischof beinhaltete. „Die Entscheidung in Killarney zu investieren, wurde auf der Stelle getroffen.“

Die Entscheidung fiel genau in dem Moment, als die Lemass-Regierung Irlands erstes Programm für die wirtschaftliche Expansion vorstellte: Dieses Programm öffnete die Türen für den freien Handel und Investitionen in die Industrie. Aber in diesen Tagen entsprach die Infrastruktur Irlands eher seiner landwirtschaftlichen Vergangenheit als seiner industriellen Zukunft.

„Es waren keine einfachen Umstände, um eine Fabrik aufzubauen. Bis zum nächsten Hafen waren es 30 km“, so Isolde. „Doch wenn mein Vater einmal eine Entscheidung getroffen hatte, tat er alles für deren Erfolg. Er dachte ständig darüber nach, wie er Dinge verbessern könnte und hatte auch ein gutes Händchen für die Anstellung der richtigen Leute.“

Seine Rastlosigkeit war eine Charakterzug, den Liebherr mit allen großen Industriellen Deutschlands teilte – ewig an den eigenen Produkten herumbasteln, um sie zu verbessern.

Als Liebherrs erste internationale Anlage, in der bis heute Hafen- und Containerkrane herstellt werden, in Killarney aufgebaut und in Betrieb genommen war, wurde der deutsche Industrielle zusammen mit seiner Frau, den vier Söhnen und Tochter Isolde schnell zu einem regelmäßigen Gast der Stadt.

„Ich war zum ersten Mal im Alter von 10 dort und später jedes Jahr“, berichtete Isolde. „Für Kinder gab es tolle Möglichkeiten, wie Ponyreiten und Spielen an den Stränden. Und später genoss ich soziale Ereignisse wie die Puck Fair, eine traditionsreiche alljährliche Messe rund um einen wilden Ziegenbock, den „King Puck“.

In ihrer Erinnerung erscheinen die Reisen nach Kerry wie ein großes Abenteuer, zuerst über Land und dann mit der Fähre über Frankreich nach England und später mit dem Flugzeug. Die Flugverbindung in den Westen war damals besser als heute, bemerkt sie trocken.

Zwei Jahre nach Ankunft des Unternehmens begannen die Arbeiten an dem, was später einmal zum Hotel „The Europe“ werden sollte: Ein Hotel mit spektakulären Ausblicken auf die Seen von Killarney. Auch heute scheint es noch ein merkwürdiges Unterfangen für den Krankönig von Deutschland.
„Eigentlich sind wir ein Kranhersteller – die Hotels wurden aus der Not heraus geboren“, erzählte sie. „Die Unterbringung von Gästen der Fabrik wurde notwendig, und ein Gästehaus wurde gebaut. Während des Baus wurde die Entscheidung getroffen, ein richtiges Hotel daraus zu machen.“
Dem Unternehmen gehören zwei weitere Hotels in Irland: Dunloe Castle und das Landhaus „Árd na Sidhe“ in Caragh Lake – von den Einheimischen als die landesweit beste Möglichkeit für geheime Dinge geschätzt.

„Wir sind sehr froh, dass unsere Hotels gut laufen; sie gehören fest zu unserer Firmengruppe“, sagte Liebherr, die einmal im Monat sowohl die Anlage als auch die Hotels besucht.
Heute hat Liebherr ca. 800 direkte Angestellte in Irland. Zählt man die für das Unternehmen tätigen Lieferanten hinzu, ist der wirtschaftliche Aufschwung für die Region beachtlich. Kommunalpolitiker verliehen Isolde, die von einigen als „gute Fee“ der Stadt bezeichnet wird, kürzlich die historische Auszeichnung „Freedom of Killarney“

Die irische Anlage strotzt weiterhin vor Gesundheit, und das allen jüngeren wirtschaftlichen Turbulenzen und der wachsenden Konkurrenz aus China und Indien zum Trotz. Die Anlage ist vollständig ausgelastet und stellt weiterhin Auszubildende für das Schulungs- und Austauschsprogramm ein.

„Wir liefern aus unserer Fabrik in Kerry Containerkrane in die ganze Welt, also haben wir nicht allzu tief unter der Krise in Irland zu leiden – dies war einer unserer Vorteile in den letzten Jahren“, so Isolde. „Die Fabrik in Killarney wird weiter ausgebaut und die Jobs sind sicher. Die Aufträge zeugen von unserem großen Know-how in Killarney.“

Der Liebherr-Effekt wird überall in Kerry deutlich; insbesondere bei den Managern, die hierherkamen, Einheimische heirateten und geblieben sind, was zur Entstehung einer großen deutsch-irischen Gemeinschaft geführt hat.

Das lokale Engagement wurde Anfang des Jahres deutlich, als Liebherr für 6 Millionen den Lackabane-Golfplatz rund um die Anlage erwarb und verpachtete. Als strategische Investition für das Unternehmen dargestellt, gestehen die Einheimischen jedoch, dass es sich tatsächlich um eine Rettungsaktion für den Golf- und Fischereiverein von Killarney handelte.

„Killarney ist das Sinnbild der deutsch-irischen Beziehungen und Liebherr ist das Beste, was uns passieren konnte“, sagt der örtliche Senator Paul Coghlan. „Natürlich haben wir auch Tourismus in Killarney, aber Liebherr ist das ganze Jahr über präsent und ohne das Unternehmen wären wir verloren. Es ist wundervoll für das Land.“

Der Geschäftsmann Tim O’Shea aus Kerry, dessen Vater Mackey O’Shea in engem Kontakt zu Hans Liebherr stand, beschreibt das Unternehmen als das „Lebenselixier von Killarney“.
Einheimische aus Killarney und Manager von Liebherr sind sich einig, dass der langfristige Geschäftsansatz und die Loyalität gegenüber den Mitarbeitern untrennbar vom Status eines familiengeführten Unternehmens sind. „Die Menschen haben ein Grundbedürfnis nach Sicherheit und das ist etwas, was wir sehr schätzen“, sagt Stefan Heissler, Communications Director und Vorstandsmitglied der Liebherr-International AG. „Für uns steht die langfristige Planung im Vordergrund. Dies scheint etwas zu sein, was unsere Kunden und Mitarbeiter zu schätzen wissen. Es ist ein Rezept, das seit Jahren gut für uns ist, warum also sollten wir es ändern?“

Spricht man Isolde auf das jahrzehntelange Engagement ihrer Familie in Irland an, insbesondere auf die zahlreichen wohltätigen Spenden, die im Stillen getätigt wurden, wirkt sie verblüfft darüber, dass man ein Unternehmen auch anders führen könnte.

„Wir haben einige wichtige Prinzipien von unserem Vater übernommen, zum Beispiel unsere langfristige Sicht und unsere Sicherheit und Zuverlässlichkeit. Als Unternehmensinhaberin hat man Verpflichtungen“, erklärte sie.

„Wir sind an unseren Unternehmensstandorten aktiv, unterstützen jedoch auch größere Projekte. Es ist normal, dass man etwas zurückgibt, wenn man gefragt ist. Daran ist nichts Ungewöhnliches.“
Ende der Serie
 

Kontakt

Kontakt IDA Irland

Sie werden feststellen, dass wir proaktiv und professionell auf Ihre Bedürfnisse eingehen und bereit sind, uns in besonderem Maße für Sie einzusetzen.

Kontakt IDA Irland